Sonntag, 17. Oktober 2021 von Christoph Prüm

Wer sind meine Nachkommen?

Nachkommentafel

Manchmal genügt ein unbefangener Blick auf ein einzelnes Wort unserer Sprache, um zu weiterführenden Erkenntnissen zu kommen.

Mit dem Begriff „Nachkommen“ werden im allgemeinen Sprachgebrauch die im Stammbaum nachfolgenden genetisch Verwandten bzeichnet. Zumindest wenn das Wort personenbezogen benutzt wird. Meine Nachkommen speziell wären also meine Kinder und Enkel usw. Der Begriff Nachkomme gibt das aber aus dem eigentlichen Wortsinn nicht her: Meine Nachkommen sind die, die nach mir kommen in der Welt, in meinem Land und auf dem Platz, auf dem ich lebe. Es gibt in dem deutschen Wort Nachkomme selbst eigentlich keine Beschränkung auf den Verwandtschaftsgrad. Das genau ist der Grundgedanke der Stiftung und des Grunderbeprojektes: Die Verantwortung für die Nachkommen kann letztendlich nicht auf die (ehemaligen) Kinder und Enkel beschränkt sein.

Zweifellos haben die Männer und Frauen, die Kinder in die Welt gesetzt haben, neben der besonderen Freude auch eine besondere Verantwortung mit speziell ihren Kindern. Sie haben die unbedingt ernst zu nehmende Aufgabe diese Kinder zu nähren und zu schützen, bis die selbst lebensfähig sind, und bis sie einigermaßen bei sich selbst und in der Gesellschaft angekommen sind. Genau bis dahin und keinen Schritt weiter geht die Aufgabe der Eltern. Hier muss Schluss sein mit Elternschaft, sonst war sie nicht erfolgreich. Wer seine erwachsenen ehemaligen Kinder nicht als freie Menschen aus dem Familienverband in die Gesellschaft entlassen kann, hat die Aufgabe eines Vaters, einer Mutter nicht verstanden und schon gar nicht erfüllt. So brutal das auch für manche klingen mag, aber freie Menschen sind auch frei von denjenigen, die ihnen Vater und Mutter waren. Die ihrerseits werden mit der Ablösung auch frei, freier möglicherweise als sie vor der Trennung waren. Wenn sie aber ihren ganzen Lebenssinn und-zweck in die Kinder gelegt hatten, dann kann das Freilassen schmerzhaft bis unmöglich werden. Haben sie die Zeit mit den Kindern aber von Anfang an als eine erfüllbare, und daher zwangsläufig auch zeitlich begrenzte Aufgabe verstanden, dann gehen alle Beteiligten aus der Trennung gestärkt hervor.

Gesellschaftlich gesehen kann man sagen, dass genau hier an dem Punkt, da wo das natürliche Ende der (Klein-) Familie übergangen wird , die Wurzel des Rassismus liegt: Aus einer nicht erfolgten Trennung von Eltern und ihren ehemaligen Kindern, aus einer zeitlich überdehnten, sinnlos gewordenen Familie wird eine Sippe, ein Clan. Daraus erwächst folgerichtig die Verklärung der genetischen Verwandtschaft, gipfelnd in dem blödesten Spruch aller Zeiten: „Blut ist dicker als Wasser“. Dem folgt - wie man in Deutschland weiß - ganz leicht die Verklärung der Rasse und letztendlich ein völkischer Staat mit der vorprogrammierten Katastrophe.

Begehen wir nicht die Fehler unserer Eltern und Großeltern. Wenden wir uns mit dem Erwachsenwerden unserer Kinder der Gesamtheit unserer Nachkommen im oben genannten Sinne zu. Schaffen wir für alle jungen Menschen angemessene Startchancen. In einer Gesellschaft, in der es eine überfamiliäre Solidarität durch ein Grunderbe gibt, wird ein ganz anderer Geist herrschen, als in einer, in der die Sippen, die Clans und zuletzt die Völker sich misstrauisch beäugen und im Grunde einander verachten. Allein das geänderte gesellschaftliche Klima in einer „Grunderbe-Gesellschaft“ wird den Menschen in den nachkommenden Generationen enorm nützen und ganz nebenbei auch unseren ehemaligen eigenen Kindern.

Dene wos guet geith (Denen, denen es gut geht)

Song von Mani Matter

https://youtu.be/25o18fKyf9s

Manni Matter war ein Schweizer Jurist, Philosoph und Liedermacher

Dene wos guet geit
Giengs besser
Giengs dene besser
Wos weniger guet geit

Was aber nid geit
Ohni dass's dene
Weniger guet geit
Wos guet geit

Drum geit weni (geschieht wenig)
Für dass es dene
Besser geit
Wos weniger guet geit

 Und drum geits o
Dene nid besser
Wos guet geit

 

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